| |
|
Mehr arbeiten für weniger Geld
|
Kreis Herford/Düsseldorf. Polizeioberkommissar Detlef Gronemeier von der Herforder Autobahnpolizei ist kein Märchenfreund. Das zeigt das DIN A 4-große Plakat, dass er sich am Düsseldorfer Rheinufer umgehängt hat: "Autobahnpolizei, Futter für den bösen Wolf" steht darauf.
Ein Seitenhieb – unter anderem auch auf die gestern im Landtag diskutierte Polizeireform von Innenminister Ingo Wolf – und das Sparkonzept der Landesregierung. Deshalb waren der Polizeioberkommissar und 40 seiner Kollegen von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) aus dem Kreis Herford sowie 60 weitere Beamte aus Minden, Lippe und Bielefeld zur Großkundgebung des Deutschen Beamtenbundes und DGB gefahren. "Faktisch führt die Reform dazu, dass die Autobahn verwaist", sagt der 50-Jährige, während er am Rheinufer entlang zum Kundgebungsplatz am Rande der Altstadt geht, wo am Nachmittag 20.000 Teilnehmer demonstrierten.
|
Die Beamten der Autobahnwachen mit ihrem Spezialwissen werden in der Großbehörde Bielefeld verwurstet, ist er sich sicher. Neben der Reform, an deren Erfolg die Beamten zweifeln, beschäftigt die Teilnehmer – vom Polizeimeister bis zum Polizeihauptkommissar – vor allem das Gefühl, zu Sparschweinen des Landes degradiert zu werden. Das sei ein schleichender Prozess.
"Von vielen Einschnitten bekommt der Bürger nichts mit", sagt Michael Steffen von der Herforder GdP. "Derzeit gibt es Überlegungen an die freie Heilfürsorge zu gehen." Das sei mit Zuzahlungen verbunden. In den letzten Jahren mussten die Beamten die Erhöhung der Wochenarbeitszeit von 38,5 auf 41 Stunden, die Verlängerung der Lebensarbeitszeit von 60 auf 62 Jahre, den Wegfall des Urlaubgeldes, Streichungen beim Weihnachtsgeld und Personalabbau (die NW berichtete) hinnehmen. "Ich darf nicht streiken", sagt Polizeioberkommissar Jürgen Hauptmeier (43), der auf der Herforder Wache Dienst tut. "Aber ich kann zeigen, dass ich das, was gerade passiert, nicht gut finde. Nach zwei Jahrzehnten aus dem Wach- und Wechseldienst heraus zu kommen, sei wohl unmöglich. "Aber wenn ich davon krank werde, muss ich demnächst selber zahlen. "
Langfristig befürchtet er so gar noch weitere Kürzungspläne. "Die Politiker haben vergessen, das Geld für unsere Pensionen zurück zu legen. Und jetzt wird deshalb in anderen Bereichen der Polizei gespart." Christina Schmitz (36), die als Polizeikommissarin in Bünde arbeitet, hofft, "dass wir etwas erreichen können". "Die angeblich herausgehobene Stellung der Beamten gilt nicht mehr", stellt Thomas Henze (39) fest. Allein die Spritkosten für ihn und seine Frau - die bei der Polizei in Niedersachsen als Angestellte arbeitet - um zur Arbeit zu kommen, summierten "sich mittlerweile auf 500 Euro monatlich" Henze befürchtet, dass die NRW-Landesregierung die niedersächsischen Sparbestimmungen aufgreifen wird und dass die "kurzfristigen finanziellen Interessen langfristig schwerwiegende Folgen haben werde". Das befürchtet auch Michael Steffen, da die "soziale Lage sich verschärfen werde" und die Polizei zukünftig stärker fordere. Rechenspiele beim Personal und Sparkonzepte seien nicht der richtige Weg. Innere Sicherheit habe nun mal ihren Preis. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|